Maria-Magdalenen-Kirche

Geschichte

Blick aus Richtung Norden

Die Maria-Magdalenen-Kirche wurde 1227 als Kapelle errichtet und mehrfach umgebaut. Erst 1902 erhielt sie ihren spitzen neugotischen Turm. Im 2. Weltkrieg wurde er abgerissen, 1993 wiederhergestellt. Die Kirche enthält im Inneren Kunstwerke aus dem 15. bis 17. Jahrhundert.

Der älteste sichtbare Bauteil ist das im unteren Bereich des Baukörpers aus Feldstein und weiter oben aus Ziegel errichtete gotische Kirchenschiff aus der Zeit um 1300. Der heutige Chor aus Backstein stammt hingegen aus dem Jahr 1827. Noch jünger ist der Kirchturm, der 1902 im Zuge eines Umbaus im Stil der Neugotik neu entstand. Der Turm trägt seit 1992 wieder einen kupfernen Turmhelm, der am Ende des Zweiten Weltkriegs durch heftigen Artillerie-Beschuss der Engländer zerstört worden war. Er gibt damit von Ferne der Stadt und der Kirche zunächst ein täuschendes neugotisches Gepräge. Das Südportal aus Sandstein stammt aus dem Jahr 1598, ebenso wohl das Nordportal. Anbauten befinden sich an der Nordseite des Schiffes und an der Südseite des Chors. Neben dem Südportal befindet sich der Prangerstein aus Granit, auf dem Kirchensünder angekettet wurden.

Die bauliche Geschichte der Kirche ist sehr bewegt und so finden sich aus vielen Epochen kulturell und politisch motivierte Elemente.

Im 17. Jahrhundert gestaltete der „kunstbesessene“ Franz II., aus dem Herzogsgeschlecht der Askanier, die ursprünglich eher schlichte und bescheidene Maria-Magdalenen-Kirche zu einer Herzogskirche um. Eine standesgemäße Fürstengruft entstand und die selbstgefälligen Darstellungen des Herzogenpaares aus Alabaster und Sandstein sollten der Nachwelt die Bedeutung seiner Person in Erinnerung halten. Diese Figuren wurden allerdings bei einer späteren Renovierung auf ein etwas bescheideneres Maß zurückgedrängt.
Ein zweiter wichtiger Einschnitt baulicher und auch inhaltlicher Art erlebte die Maria-Magdalenen-Kirche zu Beginn des 19. Jahrhunderts: Der schwärmerisch-pietistisch beeinflusste Pastor Uthoff wollte sein Gotteshaus von allerlei „Unrat“ befreien. Einige wichtige Kunstwerke sind dadurch sicherlich zerstört worden, aber der Widerstand der Bevölkerung rettete wichtige und schöne Elemente vor dem „wütenden“ Geistlichen.
Eine letzte große Umgestaltung erhielt der ursprünglich bescheidene Holzglockenturm der Kirche Ende des 19. Jahrhunderts: Die Neugotik und mit ihr „wilhelminische Bauprotzerei“ hielt auch vor Lauenburgs Toren nicht an. Klassizistische Elemente fanden Einzug in das Kirchengebäude und man ersetzte den alten Turm durch einen monströsen Ziegelturm mit Spitzhelm. Als dieser 1945 abgeschossen wurde, fanden die Ziegel einen dankbaren Abnehmer in Lauenburgs Bürgern: Sie konnten damit ihre von Bomben beschädigten Dächer ausbessern. Der Kirchturm erhielt seine abgeplattete Form, die er bis heute hat.
Heute eröffnet sich dem Besucher beim Eintritt in die Kirche ein freundliches, helles Bild. Der Blick wird angezogen von dem über dem erhöhten Altar hängenden Triumphkreuz. Helle Farben, weiß und blau abgesetzte Flächen an der Empore und dem Gestühl, geben der Maria-Magdalenen-Kirche trotz der wunderbaren Kunstwerke ein bescheidenes, klares und auf den Altarraum konzentriertes Erscheinungsbild.

 

Maria-Magdalenen-Kirche

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Besonders sehenswert:

Orgel

Orgel von 1625.

Der Orgelprospekt aus dem 2. Viertel des 17. Jahrhunderts.

Orgelprospekt

Triumphkreuz:

Stammt aus dem 15. Jahrhundert im Stil der Spätgotik und bestimmt wesentlich das Bild des erhöhten Altarraumes.

Kirchenschiff

das spätgotisches Kruzifix (um 1500).

Taufbecken:

Aus der gleichen Zeit stammt das mächtige kesselartige Taufbecken.

Madonnenfigur:

Sie ist Norddeutschlands einzige Doppelfigur: Auf der Seite zum Altar hin ist Maria als Himmelskönigin dargestellt, auf der Rückseite zusammen mit ihrer Mutter Anna und dem Jesuskind auf dem Arm (= Anna Selbdritt). Auch dieses Werk stammt aus dem 15. Jahrhundert.

Vergänglichkeitsbild:

Das aus dem 15. Jahrhundert stammende Werk hat eine spannende Geschichte: Ursprünglich war es als Verlobungsbild des Urgroßvaters von Franz II. aus dem Geschlecht der Askanier gemalt. Als die Verlobung dann aber scheiterte, gestaltete man es zu einem Doppelbild mit dem Thema „Vergänglichkeit“ um. Die Brautleute wurden fast comic-artig mit Spruchbändern und Themen der Lustbarkeit versehen. Klappt man das Bild um, so erschrecken den Betrachter verweste Leichen, die die Folgen dieser Lustbarkeit deutlich machen sollten.

Kanzel:

Die Kanzel stammt aus dem 18. Jahrhundert und weist wertvoll geschnitzte Evangelistengestalten auf. Sie ist das einzige Element aus klassizistischer Zeit, da man 1952 alle neugotischen und klassizistischen Kunstwerke entfernt hatte.

Fürstengruft:

Von Franz II. Anfang des 17. Jahrhunderts unter dem Altarraum gebaut enthält es heute noch Reste des fürstlichen Grabes aus der Zeit der Spätrenaissance.